Rechtsanwalt & Fachanwalt für Medizinrecht Rainer Pesch

< Landgericht Görlitz, Urteil vom 28.09.2012 - 1 O 188/11
19.10.2012 00:00 Alter: 5 yrs

Landgericht Dresden, Urteil vom 19.10.2012 - 6 O 3468/07


  • Leidet der Patient an einer als Rarität anzusehenden Grunderkrankung, die dem Fußpfleger vor der Behandlung nicht bekannt ist, ist dem Fußpfleger die Amputation eines Fußes des Patienten selbst dann billigerweise nicht zuzurechnen, wenn die ihm unterlaufene Schnittverletzung am Fuß des Patienten nicht hinweg gedacht werden kann, ohne dass der hiernach folgende Komplikationsverlauf mit am Ende stehender Amputation des Fußes entfiele. Denn eine Haftung begründen nur solche Umstände, die im Allgemeinen und nicht nur unter besonders eigenartigen, unwahrscheinlichen und nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge außer Betracht zu lassenden Umstände geeignet sind, einen Erfolg der eingetretenen Art herbeizuführen.
  • Bei Körper- oder Gesundheitsverletzungen spielt die Obliegenheit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, eine große Rolle. Der Verletzte muss alle nach dem jetzigen Stand der medizinischen Wissenschaft sich bietenden Mittel anwenden und das veranlassen, was ein verständiger Mensch bei gleicher Gesundheitsstörung tun würde. Ein Patient, der nicht allerspätestens 2 Wochen nach einer Schnittverletzung am Fuß, die nicht abheilt und zu Hause wegen starker Blutung mit Kompressen versorgt werden muss, einen Arzt aufsucht, trägt daher ein weit überwiegendes Mitverschulden, § 254 Abs. 1 BGB, hinter das ein etwaiges Verschulden des Fußpflegers zurücktritt.


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