Rechtsanwalt & Fachanwalt für Medizinrecht Rainer Pesch

< Landgericht Dresden, Urteil vom 30.05.2012 - 6 O 618/11
27.06.2012 00:00 Alter: 5 yrs

Landgericht Chemnitz, Urteil vom 27.06.2012 - 4 O 2057/08


  • Es stellt einen groben Befunderhebungsfehler dar, wenn der Arzt bei einer Patientin, die sich 2 Wochen nach einer Handgelenksarthroskopie mit einer schmerzenhaften, geröteten, geschwollenen und überwärmten Hand vorstellt, eine naheliegende postoperative Gelenkinfektion differentialdiagnostisch nicht abklärt und stattdessen einen eher fernliegenden akuten Gichtanfall annimmt.

  • Differentialdiagnostisch hätte in diesem Fall eine Blutentnahme, eine Punktion des Gelenkes und Röntgendiagnostik in Erwägung gezogen werden müssen.

 

Grundsätzlich trägt der Patient die Beweislast für den Behandlungsfehler und den Ursachenzusammenhang zwischen Behandlungsfehler und dem von ihm behaupteten primären Gesundheitsschaden. Gelingt dem Patienten der Beweis eines groben Behandlungsfehlers, kehrt sich die Beweislast für den Ursachenzusammenhang zu Lasten der Behandlerseite um. In diesem Fall muss der Patient nicht mehr beweisen, dass der Gesundheitsschaden ohne den Behandlungsfehler nicht eingetreten wäre. Vielmehr ist es jetzt Sache der Behandlerseite zu beweisen, dass derselbe Gesundheitsschaden auch bei völlig korrekter Behandlung eingetreten wäre.



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